SPITEX

Der Begriff SPITEX steht für spitalexterne Hilfe und Pflege, das heisst, Hilfe, Betreuung, Begleitung und Beratung ausserhalb einer stationären Einrichtung wie Spital oder Heim. (In den Anfängen auch als „extramurale Pflege“ bezeichnet.) Dieses Angebot hilft, eines der wichtigen Ziele des GeWo-Konzeptes zu erreichen, nämlich möglichst lange in der gewohnten vertrauten Umgebung verbleiben zu können.  

Wahl des Spitexangebotes

Hier gilt es zu unterscheiden zwischen öffentlicher SPITEX (www.spitex.ch) und privater SPITEX (www.spitexprivee.swiss/de). Alle „SPITEX-Organisationen vor Ort“ sind einfach zu finden unter www.opanspitex.ch.

Markante, für betroffene Menschen wichtige Unterschiede sind:

Öffentliche SPITEX:

  • Hat einen Leistungsvertrag mit Versorgungspflicht für alle Bereiche
    der Beratung, Pflege, Betreuung und Hilfe zu Hause;
  • Ist eine gemeinnützige, von der öffentlichen Hand subventionierte
    Non-Profit-Organisation;
  • Erbringt ärztlich verordnete, anerkannte Leistungen;
  • Hat Versorgungspflicht für alle Einwohnerinnen und Einwohner,
    jederzeit, ohne Einschränkungen für komplexe Fälle, Einsatzort
    oder Einsatzdauer;
  • Kennt keine Ablehnung von Klienten-Einsätzen in Bezug auf
    Nationalität, Konfession, Komplexität, finanzielle Situation.

Private SPITEX:

  • Hat einen Leistungsvertrag ohne Versorgungspflicht;
  • Ist im Angebot umfassender und flexibler als die öffentliche SPITEX,
    arbeitet gewinnorientiert nach betriebswirtschaftlichen Kriterien;
  • Kann die Klientinnen und Klienten frei auswählen;
  • Kann komplexe oder nicht kostendeckende Einsätze ablehnen;
  • Kann Einsatzort, Einsatzart und Einsatzdauer geschäftsorientiert
    auswählen.

Kosten der Angebote

  • Für ärztlich verschriebene Leistungen gemäss Leistungsvertrag sind die Kosten für Pflege bei der öffentlichen und der privaten SPITEX identisch, da sie sich nach einem durch den Bundesrat im KVG festgelegten Tarif richten müssen.
  • Die Kosten für Hauswirtschaft und Sozialbetreuung gestalten sich unterschiedlich:
    Die öffentliche SPITEX berechnet diese nach Einkommen und Vermögen, z.T. unterstützt durch Sponsoring.
    Die private SPITEX verfügt über freie Preisgestaltung, je nach Einsatzort und Einsatzart; Zudem gibt es unterschiedliche Preise pro Leistungsanbieter.

Geschichte

Entwicklung der SPITEX

SPITEX – ist, als Begriff, seit anfangs der Siebzigerjahre*neu, nicht aber das darin gebündelte Angebot an Dienstleistungen, welche heute aus unserem Gesundheitswesen nicht mehr wegzudenken sind. Das Dienstleistungs-Angebot allerdings wies in den für das Gesundheitswesen verantwortlichen Kantone, respektive deren Gemeinden, früher ganz unterschiedliche Formen auf, und zwar von sehr bescheiden bis vielfältig.
Einerseits aber erschwerte die Vielfalt es den Menschen, welche auf Pflege, Betreuung und/oder Unterstützung im Alltag angewiesen waren, einen einfachen Zugang zu finden zu den Dienstleistungen, die ihren spezifischen Bedürfnissen Rechnung trugen. Andererseits jedoch gab es im Angebot zudem auch Lücken bezüglich der Versorgung.
*Im Einvernehmen mit dem Schweizerischen Roten Kreuz SRK einigte man sich auf den Begriff SPITEX – als eine Art Kürzel, denn die damals geläufige Bezeichnung „Spitalexterne Krankenpflege und Gesundheitspflege“ erwies sich für den mündlichen und schriftlichen Gebrauch als zu lang und zu schwerfällig.

Rückblickende Gedanken zweier Fachpersonen der ersten Stunde zum Werdegang der SPITEX (Texte aus www.locher-bern.ch/fachliteraturspitex)

„Als die Spitex laufen lernte“
Bis Mitte der 1970er Jahre war – „avant la lettre“ – der Begriff „Häusliche Krankenpflege“ gebräuchlich, oft erweitert zu „Häusliche Krankenpflege und Gesundheitspflege“. Das Schweizerische Rote Kreuz (SRK) engagierte sich schon damals mit seinen Kantonalverbänden durch den Einsatz von Freiwilligen in diesem Bereich und beabsichtigte, sich noch stärker zu profilieren. Als Leiter der Abteilung Berufsbildung des SRK, welche im Auftrag der Kantone mit der Regelung und Überwachung der Krankenpflegeausbildung betraut war, wurde ich mit der Formulierung einer Gesamtstrategie für das SRK beauftragt.
Im Zuge dieser konzeptionellen Arbeiten entstand dank der Initiative von Verena Szentkuti-Bächtold das erste und während vieler Jahre einzige SPITEX-Bulletin.

Heinz Locher, Dr. rer. pol.
ehem. Leiter Abteilung Berufsbildung SRK

„Spitex – Schritte zum Erfolg“
Ende 1973 gab die Schweizerische Sanitätsdirektorenkonferenz grünes Licht zum Aufbau einer Stabsstelle „Häusliche Krankenpflege und Gesundheitspflege“(Spitex) innerhalb des Zentralsekretariates des SRK in Bern. Ich durfte diese Aufgabe des Aufbaus übernehmen, dabei waren für mich die Bereiche Information, Koordination und Dokumentation bei der Konzeption der Stelle ab September 1974 von zentraler Bedeutung. Um über Zielsetzungen, Schwerpunkte der Tätigkeit und Aktivitäten der Stelle berichten zu können, erschien im Dezember 1974 das „Spitex-Bulletin“ Nr.1. Als Redaktorin zeichnete ich bis in die Neunzigerjahre verantwortlich für das Erscheinen des Bulletins in loser Folge. Auf vielseitigen Wunsch wurden ab 1976 neben Deutsch Beiträge ebenfalls in Französisch und Italienisch abgedruckt.

Nicht zuletzt aufgrund von Erfahrung in meinem privaten Umfeld schien es mir damals an der Zeit, der dominierenden stationären Akutmedizin und der Pflege im Heim Strukturen gegenüberzustellen, welche der individuellen Betreuung und damit auch der Vermittlung des Gefühls der Geborgenheit stärker Rechnung trugen, das heisst, tragen konnten. Der Einfluss der „eigenen vier Wände“ auf die Genesung war dabei nicht zu unterschätzen.
Es waren daher keineswegs nur die stetig steigenden Kosten des Gesundheitswesens, die ein Umdenken erforderten. Es waren vielmehr die Bedürfnisse einer gemäss demographischer Entwicklung immer grösseren Anzahl älter werdender Menschen, dazu die oft vernachlässigten Bedürfnisse von Menschen mit Einschränkungen. Mit den Worten von Dr. Heinz Locher im Spitex-Bulletin Nr. 1/74 auf den Punkt gebracht: „Die Gesundheitspolitik unseres Landes ist an einem Wendepunkt angelangt.“
Mit dem „Mauerblümchendasein“ der Spitex, welche von gewissen Kreisen nicht ernst genommen, ja belächelt wurde, musste endlich Schluss sein! Erfreulicherweise wurden grössere und kleinere, städtische und ländliche Gemeinden, ja sogar Kantone sowie private Akteure bald schon aktiv und erarbeiteten unterschiedliche Modelle zur Umsetzung der spitalexternen Krankenpflege und Gesundheitspflege.

Übrigens – aus dem Mauerblümchen ist eine stolze, heimische Pflanze geworden!

Verena Szentkuti-Bächtold
Fachfrau Gesundheits-, Alters- und Sozialfragen
Redaktorin SPITEX-Bulletin

Relevante SPITEX-Modelle, Referate und Artikel

Nachfolgende Referenzen erheben selbstverständlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
Die aufgeführten Initiativen jedoch zeichneten sich meist durch Pioniercharakter aus und konnten so als Vorbilder dienen und zur Nachahmung anspornen.

Allerdings hat grundsätzlich auch heute noch, und zwar über die SPITEX hinaus, die von
Dr. Heinz Locher formulierte Handlungsmaxime Gültigkeit: „Es ist selten zu spät und nie zu früh, das Richtige zu tun!“

Name / Bezeichnung

Ort / Gemeinden /Kantone / Initianten / Trägerschaft

Datum

Bulletin Nummer

Neue SRK-Aufgabe : „Förderung spitalext. KP u. Gesundheitspflege“

Deutschschweiz / Schweiz. Rotes Kreuz Leitartikel Dr. Heinz Locher, Leiter Abt. Krankenpflege (KP) des SRK

1974_1_Locher_Leitartikel.pdf

1974

1/Dez.1974

“Notwendigkeit und Förderung der spital-externen Pflege“

Leitartikel Dr. med. Ulrich Frey, ehem. Bernischer Kantonsarzt u. Direktor des Eidgenössischen  Gesundheitsamtes

1975_2&3_Frey_Notwendigkeit_Spitex.pdf

1975

2/3 1975

„In eigener Sache“ – die
Spitex-Redaktion

Redaktion „SPITEX-Bulletin“: Bulletin erstmals 3-sprachig!

1976_1_Spitex_wird_3sprachig_de_fr_it.pdf

1975

1/1976

„Das Winterthur-Modell“ („Alters-Modell Winterthur“
Leitmotiv: „ … damit niemand allein sein muss“)

Dr. J.-P. Mohr, Dir. Winterthur Versicherungen: „100 Jahre Winterthur-Versicherungen“, Genossensch. Gesewo: Leitung/Trägersch. des „Altersmodells“
1976_1_Mohr J.P._Winterthur_de_fr.pdf

1975: Jubiläum 
Winterthur Versich.;
1976: Spätherbst,
Eröffnung Zentrum

1/1976

Servizi aiuto domiciliare nel Cantone Ticino

C. Bamelli: Capo del’ Ufficio d'Attivita Sociali: Servizi aiuto domiciliare nel Cantone Ticino 1976_1_&_2_Balmelli_Ticino_it_fr.pdf

1976: Status Quo und  Ausblick

1/1976 (it) 2/1976 (fr)

Soins extrahospitaliers en pratique gériatrique

J.P. Junod, Médecin-Directeur Hôpital et Centre de gériatrie de Genève
1976_1_&_2_Junod_gériatrie_fr_de.pdf

1976

1/1976 (fr)
2/1976 (de)

Service de Soins infirm. à Domicile (SSID), Genève

D. Grandchamp, SSID/Section CRS Genève: Soins Infirm. à Domicile/ Krankenpflege zu Hause,

1976_2_Grandchamp_Genève_fr_de.pdf

1924: Gründung
1974: Jubiläum

2/1976

Hausbesuche-Mangel

Kanton Zürich: Zu wenig Hausbesuche durch praktizierende Aerzte im Kanton
1976_2_zu_wenig_Hausbesuche.pdf

2/1976

Geriatrie-Rehabilitation – neue Abt. Zieglerspital Bern

Dr. Ch. Chappuis, leitender Arzt Stadt Bern, Zieglerspital: Geriatrie-Rehabilitation
1976_3_Chappuis_Geriatrie- Rehab_de_it.pdf

Einweihung 11.08.1976

3/1976
(de u. it)

Bedeutung der SPITEX

Artikel Dr. H. Locher „Welche Bedeut­ung kommt Spitex zu?“ (je de & fr in 2 Teilen).

Teil 1 (de, fr 1976_3_Locher_Spitex-1_de_fr.pdf
Teil 2 (de, fr)1977_1_Locher_Spitex-2_de_fr.pdf

3/1976

1/1977

(je de & fr)

SPITEX auf dem Lande

Artikel Dr. med. Peider Mohr, Chefarzt Bezirksspital Affoltern am Albis: Kleiner Landbezirk – Probleme mit spitalext. Krankenpflege
1977_2_Mohr Peider_Landbezirk.pdf

2/1977

Das „Schwarzenburger Modell“ (Kanton Bern)

Schwarzenburg: Wegweisende Zusammenarbeit Stiftung und Spital 

1978_1_Schwarzenburger-Modell.pdf

Versuchsperiode ab August 1988

1/1978

Entwicklung im Kanton Wallis
en Valais
nel Vallese


Marguerite Stoeckli
Sozialmedizinische Entwicklung / médico-sociale / Evoluzione medico-sociale
1978_2_Stoeckli_Evolution_med-soc_de_fr
1978_3_Stoeckli_Evoluzione_medico-soc_it


2 / 1978
(de& fr)
3/1978 (it)

„Experiment Bertschikon – Gachnang“  (TG u. ZH)

Gemeinden- u. Kantons-übergreifendes ambulantes Krankenpflege-Modell
1978_2_Bertschikon-Gachnang_de_it.pdf

Stellenbesetzung
2. Hälfte 1977

2/1978

Geistige Aktivierung im Alter – Volkshochschule für Betagte

Dr. med. Peider Mohr, Bezirk Affoltern am Albis, Initiant geistige Atkivierung im Alter
1978_3_Mohr Peider_Aktivierung.pdf

3/1978

Nachbarschafts-/Laienhilfe für Behinderte

Maryse Meyrat SRK: Tagung “Perspectives nouvelles“, „Behinderte mit uns – einander verstehen, miteinander leben“
1981_2_Meyrat_SRK-Laienhilfe_fr_de.pdf

Tagung Jan. 1981

2/1981
(fr & de)

Organisation Laieneinsatz

Interv. mit Dr. Erika Schwob-Sturm: „Gut organisierter Laieneinsatz tut not!“ „L‘ im-portanza della participa. di persone laiche”
1981_3_Schwob-Sturm_Organisation_Laien.pdf

3/1981
(de & it)

Angehörige von psych. Kranken

Beitrag Marianne Schlatter „Über die Arbeit mit Angehörigen von psychisch Kranken“ „Attività con familiari di andicappati mentali“
1982_1_Schlatter_Angehörige_psych.Kranke.pdf

1/1982
(de & it)

Freiwillige Mitarbeit

Käthi Fleury: „Rolle der freiwilligen Mitarbeit in der Gegenwart / Ruolo del lavoro volontario nel tempo presente“
1982_1_Fleury_Mitarbeit_Freiwillige_de_it.pdf

1/1982
(de & it)

SPITEX und Kranken­kassen

Jürg Hügli, stv. Dir. KKB/CMB „Spitex – eine Chance/une chance für die Krankenkassen / Une chance pour les caisses-maladie?“
1985_3_Hügli_Spitex_Chance_de_fr.pdf

3/1985
(de & fr)

SPITEX-Lösungsansatz

Roger Duvoisin: „L’amorce d‘une solution“ / „Krankenpflege zu Hause – ein Lösungsansatz“

1985_3_Duvoisin_Spitex_Lösungsansatz_fr_de.pdf

3/1985
(fr  & de)

SPITEX-Finanzierung

Dr. Peter Wiederkehr, Regierungsrat u. Gesundheitsdir. Kt. ZH/ Directeur affaires sanit. Canton ZH: „Verbesserte Finanzierung“ / „Manière d’améliorer le financement“ 1985_3_Wiederkehr_bessere_Finanzierung_de_fr.pdf

3/1985
(de & fr)

Referate/Artikel/Literatur
(minimale Auswahl)

 „Spitex – eine Philosophie?“, Beitrag VS in Schweiz. Ärztezeitung, Band 70 Heft 39, Sept. 1989
Szentkuti_Philosophie.pdf

„Grosse Worte – kleine Taten. Oder Spitex – ein Stiefkind der Gesundheitspolitik“, Beitrag VS in Ambulante Krankenpflege / Spitex-Handbuch, Verlag Hans Huber Bern Stuttgart Toronto, 1990 und 1996 (beide nur noch antiquarisch) Szentkuti_Grosse_Worte_&_Epilog_def.pdf

„SPITEX und SPITIN, zwei gleichberechtigte Partner in unserem Gesundheitswesen?“, Grundsatzreferat/Rückschau VS in eigener Sache, frühe Neunzigerjahre Szentkuti_SPITEX-SPITIN.pdf